Beeindruckt von deutscher Ordnung

Unterstützt wird Lilo Langen von der Aktion "Eifel Aid", einer schnellen und unbürokratischen Hilfsorganisation, an der auch der Rotkreuz-Kreisverband maßgeblich beteiligt ist. In dem Hotelmanager Omar Ibrahim hat sie vor Ort einen Mitstreiter gefunden, dem sie nicht nur das gespendete Geld anvertrauen kann, sondern der auch dazu befähigt ist, die bürokratischen und baulichen Abläufe zu koordinieren.

Wichtig ist es Langen, dass er auch die die Kultur und die Mentalität ihrer Landsleute kennenlernt. Insbesondere soll sein Besuch mit einem bei Afrikanern weit verbreiteten Irrglauben aufräumen. Lilo Langen: "Die meisten denken, wir brauchen das Geld nur von der Straße aufzuheben. Dass die Menschen hier, die für das Projekt spenden, auch für dieses Geld arbeiten müssen, ist den Afrikanern oft nicht klar."

Als er einen Tag vor Silvester, nach einem 13-stündigen Flug, landete, lernte Omar Ibrahim Deutschland zunächst einmal von seiner frostigsten Seite kennen. "Ich musste ihm erst einmal Winterkleidung kaufen", erzählt Langen, denn Ibrahims Garderobe hatte dem winterlichen Empfang natürlich nichts entgegenzusetzen. Doch eine Schonfrist gab es nicht, soll der junge Mann doch möglichst viele Eindrücke mit nach Hause nehmen. Und so stattete man noch im alten Jahr, knapp vor Ende der Rübenkampagne, der Euskirchener Zuckerfabrik, einen Besuch ab. Die Abläufe dort, wo auch Roh-Rohrzucker aus Afrika verarbeitet wird, interessierten den weit angereisten Besucher brennend. Weiter ging es mit Besuchen in Euskirchener Schulen und Kindergärten, zum Beispiel der Grundschule in Flamersheim, wo Schüler und Lehrer eine afrikanische Woche veranstalt haben und schon gespannt auf Informationen "aus erster Hand" waren.

Nach fast vierwöchigem Aufenthalt zog Ibrahim nun ein erstes Resümee: Beeindruckt haben ihn die strukturierten und geordneten Abläufe hierzulande. Nicht schlecht staunte der Mann aus Ostafrika jedoch über die hohen Preise für Lebensmittel.

Wenn er im März in sein Land zurückkehrt, steht dem Baubeginn der Schule nichts mehr im Wege, denn unter anderem dank der Spenden, die beim Benefizkonzert im Kloster Schweinheim zusammenkamen, hat Lilo Langen zwischenzeitlich ein Grundstück gekauft. Dafür verbrachte sie Ende vorigen Jahres wieder einmal mehrere Wochen vor Ort. Von diesem Tansania-Aufenthalt kehrte sie ganz besonders gerührt zurück, hatten die Einheimischen das Projekt doch nach ihr benannt: "Lilo Hope Eduaction and Community Centre".

Weil das überaus gelungene Konzert vor der malerischen Kulisse des Klosters kaum noch zu übertreffen ist, hatte Langen eigentlich nicht an eine Wiederholung gedacht. Da sich die Nachfragen der begeisterten Besucher jedoch häuften, hat sie sich entschlossen, im April erneut ein Benefizkonzert mit afrikanischer Musik folgen zu lassen, diesmal im Dorfgemeinschaftshaus in Palmersheim. Mit dabei sind auch wieder der senegalesische Trommelkünstler Pape Seck und die Gruppe "Bonn Africa", die es bereits im vergangenen Sommer bestens verstanden haben, afrikanisches Lebensgefühl zu versprühen. Außerdem hofft Langen auf den Auftritt der "Gospel-Company" der evangelischen Kirchengemeinde Euskirchen. Eine mündliche Zusage liegt ihr vor. Afrikanisches Essen soll es an diesem Abend auch wieder geben.

Auch, wenn das Geld für die Schule und den Brunnen aus Deutschland kommen, bei ihren Besuchen in Tansania erlebt Lilo Langen immer wieder einen Reichtum anderer Art: "Die familiären Strukturen, die hier verloren gegangen sind, der menschliche Zusammenhalt und die Nachbarschaftshilfe funktionieren dort noch."

Quelle: Blickpunkt am Sonntag