Afrikanische Rhythmen im Regen

Regencapes und XXL-Schirme

Allein das Wetter wollte nicht mitspielen. Kurz vor Veranstaltungsbeginn hatte sich die dunkle Wolkenwand in unerbittlichen Dauerregen verwandelt. Diejenigen, die gekommen waren, ließen sich die Freude jedoch nicht verderben. Flugs entfalteten einige Zuschauer ihre knielangen Plastik-Regencapes oder kuschelten auf den mit Papiertaschentüchern trocken gewischten Stuhlreihen eng zusammen unter bunten XXL-Schirmen.

 
 
Benefizkonzert
Lilo Langens ehemalige Afrika-Begleiter Heinz und Trudi Keller aus Baesweiler gewannen den Hauptpreis: eine Ballonfahrt. Foto: Claudia Hoffmann

„Wer 2005 einfach mal nach Afrika fährt und sieht, wo Hilfe nötig ist, wie viele Menschen unterversorgt sind, wer dann sein ganzes Leben umkrempelt, um mit viel Fleiß und Mühe eine Krankenstation vor Ort zu bauen, damit die Kindersterblichkeit zurückgeht“, der verdiene nicht nur in den Augen von Euskirchens stellvertretender Bürgermeisterin Christiane Loeb uneingeschränkte Bewunderung und Respekt.

Während im Anschluss an die herzlichen Begrüßungsworte das frisch gegründete und bestens aufgelegte Münstereifeler Trio „The Hipp Bees“ mit Jazz-, Rock- und Pop-Klassikern aus den 60ern bis 90ern den Sommer beschworen, schloss sich Moderator Robert Nolte den Komplimenten an die Münstereifeler Hilfsorganisation „Upendo Tansania“ an: „Da ist so viel Energie drin, das muss man in jedem Fall unterstützen“, warb er für neue Mitstreiter. „Lilo persönlich kennenzulernen, das war für mich damals wie ein Wunder. Sie ist für mich ein Engel“, so beschrieb es Nevin Sezgin, Gründerin des Euskirchener Friedenstages.

 
 
Benefizkonzert
Lilo Langen mit Brunnenprojekt-Sponsor Eberhard Grellmann Foto: Claudia Hoffmann

Die Grenzen der Eifeler Hilfsbereitschaft weiteten sich sogar bis hin nach Süddeutschland aus, denn von dort war Eberhard Grellmann gekommen, dessen Firma GS Computersysteme mit Sitz in Pleidelsheim (Kreis Ludwigsburg) das kürzlich realisierte Brunnenprojekt von Lilo Langen wesentlich gesponsert hatte. Nach Vollendung der Krankenstation werde er zudem die Kosten für einen afrikanischen Arzt übernehmen, versprach er am Freitag.

Den Kollegen in Tansania in der basismedizinischen Arbeit zu unterstützen, das könnte sich auch die Münstereifeler Internistin und Allgemeinmedizinerin Petra Schemme vorstellen. Schon zu Studienzeiten hatte sie an der Kölner Sporthochschule Freizeitprojekte für Kinder aus Slums in Kenia begleitet. Nach der Begegnung mit Lilo Langen nahm der Gedanke, „das könnte mein Dritte-Welt-Projekt werden, wenn die Kinder größer sind“, konkretere Formen an. Der Termin in zwei Jahren würde perfekt passen.

Ansteckende Begeisterung ging von der großen Bühne aus, als die multikulturelle zehnköpfige Formation BonnAfrika ihre mitreißenden afrikanischen Tanzrhythmen präsentierte. Ihre Maxime für Gerechtigkeit und Frieden: „Wir können sicher nicht die ganze Welt verändern, aber wir können uns selbst verändern, und damit verändern wir die Welt“.

Ballon- und Essensgutschein

Glücksgöttin Fortuna hatte eine schöne Idee: Mit dem Ehepaar Heinz und Trudi Keller aus Baesweiler durften sich die beiden Menschen über den Tombola-Hauptpreis in Gestalt einer Ballonfahrt freuen, die Lilo Langen auf ihrer ersten Afrika-Reise begleitet hatten. Auch die kleine Lena hüpfte glücklich herum: Sie konnte ihre Eltern mit dem zweiten Preis, einem kulinarischen Verwöhngutschein, zum Essen einladen.

Zu mitternächtlicher Stunde wurde das Geschehen in den großen Saal verlegt. Peter Bauchwitz und seine Kollegen von „Rock on Wood“ beschlossen das Benefizkonzert mit handgemachtem Akustik-Sound vom Feinsten. Auch wenn sich einen Tag später herausstellen sollte, dass die Veranstaltung „plus minus Null“ ausgegangen ist, so war sie doch „allein schon PR-technisch ein voller Erfolg“, freute sich Lilo Langen über die tolle Resonanz.

Durch die 20.000-Euro-Förderung der Euwax-Stiftung aus Stuttgart ist der Grundstückskauf in jedem Fall abgedeckt und der Anfang kann gemacht werden.