Als Touristin Brunnen gebohrt

Lilo Langen freundete sich mit verschiedenen Familien an und schickte ihr eigenes Weihnachtsgeld dorthin, um Hilfe zu leisten und gemeinsam mit vielen anderen Helfern den Kampf gegen Elend und Armut aufzunehmen. Doch erfuhr sie zwischendurch auch: „Weiß bedeutet in Afrika Geld.“ Die Preise schnellen beim Anblick von Weißen in die Höhe. Lilo Langen lernte, nicht nur zu geben, sondern abzuwägen und unter Umständen auch mal „Nein“ zu sagen.

Lilo Langen, die beim Bauamt der Stadt Euskirchen tätig ist, lernte zufällig Rolf Zimmermann kennen, den Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes im Kreis Euskirchen und Mitinitiator der Hilfsorganisation „Eifel-AID“. Die beiden kamen ins Plaudern und stellten fest, dass sie die gleichen Ziele haben. Denn auch „Eifel-AID“ wollte einen Hilfseinsatz in Afrika starten. Man dachte an einen Brunnenbau. Um voll und ganz für diesen Spezialauftrag bereit zu stehen, bat Lilo Langen ihren Arbeitgeber um ein halbes Jahr unbezahlte „Auszeit“. Ehrenamtlich trat sie dann vor fünf Monaten den Weg nach Afrika als Touristin an. Rolf Zimmermann bezeichnet die Auswahl der Architektin als einen Glücksfall. Zimmermann: „Die Frau hat Ahnung von Bau, Schüpp und Hau, und genau das hat sich bewährt.“

In Tansania angekommen, musste die 49-Jährige zunächst einmal die Lage peilen. „Ich schaute mir verschiedene Grundstücke an und entschied mich letztendlich für einen Platz in der ärmsten und trockensten Region des Landes, in Dar es Salaam (Tabata).“ Zur Auswahl stand auch ein Grundstück in der Nähe des Mount Meru (Arusha) und eines in Sakina (ebenfalls Arusha), doch der Aufwand, in diesen Regionen an sauberes Wasser zu kommen, hätte die finanziellen Möglichkeiten gesprengt. 4000 Euro, rund 6,5 Millionen tansanische Schilling, standen zur Verfügung. In Dar es Salaam heuerte sie nach diversen Vergleichen eine Firma an, deren Chef in Köln studiert hat. 70 Meter kämpften sich die Arbeiter dann mit einem Bohrer durch Erdreich und Felsen. Fast zwei Wochen lang dauerte dieser Vorstoß in das Erdinnere, zwischen acht und 20 Meter schaffte das Team am Tag. Ein mittelmäßig bezahlter Arbeiter verdient am Tag in Tansania einen Euro.

„Total aufgelöst“

Lilo Langen berichtet: „Ein Urlaub war das für mich nicht.“ Als das Wasser endlich sprudelte und die Leute gelaufen kamen, „da war ich total aufgelöst“, berichtet die Brunnenbauerin im Nachhinein. Bei dem Brunnen, der in Dar es Salaam entstand, handelt es sich keineswegs nur um ein großes Loch, in das man einen Eimer tauchen kann. Der Brunnen wurde als geschlossenes System ausgestattet. Eine mit einem Notstromaggregat betriebene Pumpe zieht das Wasser aus der Tiefe. An einer Wand mit Wasserhähnen können sich die Bürger jetzt mit Trinkwasser versorgen.

Wieder zurück in Deutschland denkt die Baufachfrau schon über einen neuen Einsatz in Afrika nach. Mehr Informationen über das Projekt gibt es im Internet

Quelle: Kölner Stadtanzeiger