Benefizkonzert für Afrika: In ein kleines Dorf in Tansania verliebt

Bad Münstereifel. 

„Sie sind schlicht durch den Kauf einer Eintrittskarte zu Entwicklungshelfern geworden“, stellte der Bad Münstereifeler Autor Werner Biermann fest. Rund 1000 „Entwicklungshelfer“ waren in die Heinz-Gerlach-Halle gekommen zu einem in vielerlei Hinsicht besonderen Konzert. Denn außerhalb von Karnevalssitzungen kommen selten so viele bekannte Kölner Musiker auf einer Bühne zusammen. Und das ohne Gage.

Sie alle wollten eine Frau unterstützen, die sich verliebt hat. „Sie hat sich nicht in einen Menschen verliebt. Sie hat ihr Herz verloren an die Menschen in einem kleinen Dorf in Tansania“, erzählte Biermann: „Diese Liebe hat ihr Leben auf den Kopf gestellt.“

Vor vielen Jahren besuchte die Bad Münstereifeler Architektin Lilo Langen Ostafrika als Touristin. Sie war fasziniert von den Nationalparks. Doch sie merkte, dass das Leben außerhalb der Parks völlig anders aussieht. Sie stieß auf den Ort Arusha, erkundete das Leben der Einheimischen und wusste: Hier muss ich helfen. „Man sah die dicken Bäuche der Kinder. Die Frauen mussten zwölf Kilometer zum nächsten Brunnen gehen“, berichtete sie auf der Bühne. Besonders hoch sei die Kindersterblichkeit. Die Hälfte der Kinder werde nicht älter als fünf Jahre.

Zunächst schickte Lilo Langen einen Container mit Hilfsgütern wie Fahrrädern, Kleidung und Nähmaschinen. „Die Kleidung, die ich anhabe, hat eine der Näherinnen gemacht“, erklärte sie. Mit einigen Mitstreitern gründete sie den Verein „Upendo Tansania“. Mittlerweile hat der Verein Brunnen gebaut und einen Klassenraum eingerichtet. Derzeit versucht er, den Bau einer Krankenstation zu stemmen. „Wir wünschen uns eine nachhaltige Krankenstation“, so Langen. Aus dem Verkauf von Eiern einer angegliederten Hühnerfarm soll sie betrieben werden. Bereits dreimal hat der Verein Benefizkonzerte veranstaltet, allerdings in kleinerem Rahmen.Hannes Schöner

Diesmal bat Lilo Langen ihren Nachbarn, den Höhner-Bassist Hannes Schöner, um Hilfe. Gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Jens Streifling fragten sie in der Kölner Musikszene nach Unterstützung. „Es ist unfassbar, wie groß die Bereitschaft ist“, freute sich Schöner. Mit Karl Brück, der sich auch um die „Schöner*Streifling“-Konzerte kümmert, hatten sie schnell einen erfahrenen Veranstalter mit im Boot.

Das „Konzert für Afrika“ selbst bot einen großen Spannungsbogen von lauten Partykrachern bis hin zu afrikanischen Rhythmen. Letztere hatte die Trommlergruppe „Mama Afrika“ mitgebracht. Die vier Musiker erfüllten die Halle mit einem Trommelgewitter und animierten das anfangs noch etwas steife Publikum zum Mitmachen.

Lilo LangenGemeinsam mit Hannes Schöner und Jens Streifling sowie deren Band bestehend aus Hermann Heuser (Gitarre), Simon Bay (Tasten), Matthias Keul (Tasten, Slideguitar), Wolf Simon (Schlagzeug) und den Backgroundsängerinnen Steffi Steglich, Charlotte Klauser und Natalie Noll stimmte die Gruppe das Motto des Abends an: „Kumm loss mer fiere“.

Unterstützung gab es von „Querbeat“, die später selbst eine mitreißende Show boten. „Stonn op un danz“ ließ sich das Publikum von der bunten Kapelle bei deren Auftritt nicht zweimal sagen. Die „Kasalla“-Mitglieder Bastian Campmann und Rene „Ena“ Schwiers hatten ihre Songs „Marie“, „Immer noch do“ und „Fleisch un Blood“ mitgebracht. Viel Herzblut legte Frontmann Campmann in den Höhner-Song „Wenn jeiht d'r Himmel widder op?“, den er gemeinsam mit Hannes Schöner sang.

Angekündigt waren auch Peter und Stephan Brings. Die Brüder aber hatten mit Harry Alfter, Kai Engel und Christian Blüm den Rest ihrer bekannten Band für den guten Zweck mitgebracht und starteten zur Freude des Publikums gleich mit dem Song „Eifel“. Passend zum Abend „mit afrikanischer Einlage“, wie Peter Brings betonte, nachdem Engel eine kurze Passage aus „The Lion sleeps tonight“ eingeflochten hatte. Klar, dass auch der „Kölsche Jung“ nicht fehlte.

Zwischen den Gästen spielten Schöner, Streifling und Band immer wieder erprobte Songs aus den „Schöner*Streifling“-Konzerten. Zu „Alles verloore“ steuerte der Münstereifeler Trompeter Hans Peter Salentin ein Solo bei. Eine völlig andere Facette des Abends zeigte die Band anschließend mit einem tollen Fusion-Jazz-Stück, das Streifling am Saxofon und Salentin an der Trompete trugen.

Lange herausgezögert hatte Hannes Schöner die Ankündigung, dass Tommy Engel abgesagt hat. Er liege mit hohem Fieber im Bett und habe keine Stimme, so Schöner. Die Enttäuschung war dem Publikum anzumerken. Kurzfristig eingesprungen war mit Arno Steffen ein langjähriger Weggefährte Engels bei „LSE“. Er erklärte „Rallef“ musikalisch, er solle es „Sein lassen“. Zu Herzen ging der Song „Für et Häzz un jäjen d'r Kopp“. Unterstützung erhielt Lilo Langen auch aus nächster Nähe. Der Männerchor „Häzzblood“ aus der Mutscheid leistete ebenfalls seinen Beitrag zum Konzert. Auch die Familie von Hannes Schöner war dabei. Seine Schwester Wilma Overbeck war mit ihrem Kinderchor „Wilmas Pänz“ gekommen, Bruder Werner Schulte-Ontrop stand mit seinem Sohn Clemens auf der Bühne. „Ich bin sehr gerührt. Ich glaube, sowas hat Münstereifel noch nicht erlebt“, drückte Lilo Langen ihren Dank aus.

Quelle: Rundschau