Besuch aus Tansania Den Kälteschock etwas „versüßt“ Von Daniela Martinak, 04.01.11, 07:00h

Nach den heimatlichen 30 Grad im Schatten folgte für ihn nach 13-stündigem Flug der Kälteschock. „Ich musste hier erst einmal Winterklamotten für ihn holen. In Afrika gibt es so warme Sachen nicht. Ich hoffe nur, er wird mir nicht krank", sorgte sich Lilo Langen um ihren Gast. Einen afrikanischen Besucher nach hier zu holen, habe sie schon länger vorgehabt. „Ich bin schon mehrere Jahre in Afrika tätig und setze mich dort für die Menschen ein“, erläuterte Langen: „Allerdings haben manche Afrikaner schon die Dollarzeichen in den Augen, wenn sie eine Weiße sehen. Ich möchte ihnen deshalb zeigen, dass hier das Geld auch nicht auf der Straße liegt.“

Des weiteren soll der Besuch Ibrahims den Menschen hier vor Augen führen, wie weit das Projekt der ehrenamtlichen Helferin in Tansania bereits vorangeschritten ist. „Mittlerweile bin ich stolze Besitzerin eines Grundstücks in Dar es Salaam. Auf diesem sollen sobald wie möglich ein Brunnen und eine Vorschule für die Kinder in Afrika gebaut werden“, skizzierte die Architektin ihre Pläne. Allerdings bestehe das Vorhaben aus harter Arbeit. Nicht nur, dass sie ständig aufpassen müsse, nicht über den Tisch gezogen zu werden. Auch so spendenbereit, wie sie es sich erhofft habe, sei heutzutage niemand mehr.

„Zum Glück habe ich auch Unterstützung von Pape Seck aus dem Senegal. Er hilft mir und hat im August unter anderem ein Benefizkonzert veranstaltet“, berichtete Langen. Dabei sei die stolze Summe von 11.000 Euro zusammengekommen, die zum Teil für den Kauf des Grundstücks genutzt worden sei. Auch ein Trommel-Workshop in Euskirchen wird von Langen und Seck für einen guten Zweck durchgeführt. Gemeinsam mit Pape Seck und Omar Ibrahim besuchte Langen die Zuckerfabrik in Euskirchen. „Der Roh-Rohrzucker wird seit 2010 aus Afrika hierher geliefert und wir verarbeiten ihn weiter zu Kristall- und Flüssigzucker“, erklärte Dr. Stephan Kuhnke , Leiter des Werk-Umweltschutzes. Und trotz eisiger Temperaturen konnte Ibrahim gar nicht genügend Informationen bekommen. „Afrikaner stehen auf Zucker. Die übersüßen so gut wie alles. Kein Wunder, dass er sich so sehr dafür interessiert“, schmunzelte Langen.

Während der Mann aus Tansania gespannt zuhörte, wie Kristallzucker aus Zuckerrüben gewonnen wird, machte sich Langen schon Gedanken, was sie dem Afrikaner sonst noch alles in den kommenden drei Monaten zeigen möchte. „Wir werden auf jeden Fall noch ins Freilichtmuseum nach Kommern fahren, verschiedene Schulen und das Deutsche Rote Kreuz besuchen.“

Und auch Ibrahim kann es kaum erwarten, noch mehr von Deutschland zu sehen. Die Zuckerherstellung beeindruckte ihn derart, dass er Dr. Kuhnke mit seinen Fragen richtig ins Schwitzen brachte. „Gestern habe ich noch ein paar Wörter im Wörterbuch nachgeschlagen, damit ich auch alles richtig erklären kann“, sagte Dr. Kuhnke. Dass Ibrahim ihm so viele Fragen stellte, habe er nicht erwartet.