Kinder haben jetzt Schulbänke

Kinder in Tansania

Die Münstereifelerin suchte nach Abhilfe und hatte Glück. Kurzfristig tat sich die Möglichkeit auf, in einem von muslimischen Gemeindemitgliedern errichteten Gebäude einen Raum anzumieten. Die Zustände in Tansania sind für Menschen, die in der Zivilisation aufgewachsen sind, oft kaum nachzuvollziehen. Manche Eltern, so berichtet Langen, können nicht einmal mehr das Schulgeld von 1,50 Euro im Monat aufbringen.

Noch schlimmer aber sieht es bei der medizinischen Versorgung aus. Geld für Medikamente ist so gut wie nicht vorhanden. Und wenn doch, dann stellt sich ein weiteres Problem. Denn gegen Malaria und HIV werden in den armen Ländern oft Medikamente verkauft, die schlichtweg gefälscht sind.

Über den Raum, den die Muslime den Kindern zur Verfügung stellten, freute sich Lilo Langen sehr. Leider jedoch saßen die Kinder dort bislang auf Säcken, was nicht nur ungesund, sondern auch der Konzentration nicht gerade dienlich war. Mit Hilfe des DRK Euskirchen und „Eifel Aid“ konnten jetzt vor Ort Schulbänke für 36 Kinder gebaut werden. „Zudem gab es für jedes Kind ein neues Lehrbuch, Hefte, Stifte und Farblerntafeln, die jetzt die Innenwände der Klasse schmücken“, so Langen.

„Bei all unseren Hilfsprojekten im Ausland geht es auch immer darum, dass alle größeren Investitionen direkt vor Ort getätigt werden“, berichtete Rolf Zimmermann, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Euskirchen. Die Schreinerei, die die Bänke herstellte, fand man denn auch in nur 20 Minuten Fußweg von der Schule entfernt. Innerhalb von einer Woche waren die in Auftrag gegebenen Bänke bereits fertiggestellt.

„Sie konnten damit noch vor den Ferien in die Schule gebracht werden“, so Lilo Langen. Die Eltern seien außer sich vor Freude gewesen über diese Hilfe. Die Übergabe der Schulbänke wurde schließlich mit einem Fest gefeiert. Dabei, so berichtet Langen, wurde so viel Essen gekocht, dass auch noch die Waisen und Straßenkinder aus dem Umfeld der Schule satt wurden. Am Ende des Festes konnte der Lehrer schon vier neue Anmeldungen fürs kommende Jahr verzeichnen.

„Die in dieser Region lebenden Waisenkinder werden oft von Verwandten groß gezogen“, erklärte die Ingenieurin. Doch diese könnten die Kinder oft nicht ausreichend versorgen. Man schätzt, dass es in Tansania ungefähr vier Millionen Kinder unter 14 Jahren gibt, denen es am Notwendigsten fehlt. Viele Kinder werden zu Waisen, weil sie ihre Eltern durch Aids verlieren. Andere wiederum werden von unverheirateten Müttern ausgesetzt, weil sie unehelich geboren wurden oder weil die Eltern sich die Ernährung ihrer Kinder schlichtweg nicht leisten können.

Der Anblick dieser ausgestoßenen Kleinen war für die Münstereifelerin das Schlimmste auf ihrer Reise. „Ich habe in Dar es Salaam und Arusha einige dieser Kinder gesehen“, berichtete sie. „Es war erschreckend. Die Kinder sind zerlumpt und streifen meist allein herum oder in kleinen Gruppen. Sie schlafen auf Grünstreifen zwischen vierspurigen Autostraßen, liegen im Dreck oder am hellen Tag auf irgendwelchen Bürgersteigen.“ Gebe man ihnen Geld, so kauften sie sich Alkohol und andere Drogen. Zum Glück gebe es jedoch mittlerweile Organisationen, die sich dieser Kinder annähmen. „Trotzdem braucht Tansania noch viel Unterstützung“, resümiert Langen. (ksta)