Große Musiker-Koalition für Afrika

(wb) Kein anderer Kontinent ist so sehr, beinahe bis zur Unkenntlichkeit, mit Klischees zugestellt wie Afrika. Viele Europäer haben die Vorstellung, dass überall auf dem „dunklen Kontinent“ Kriege und Bürgerkriege toben, überall willkürliche Gewalt, Mord und Totschlag, korrupte Regimes, Beschneidung von Mädchen und Zwangsehen. Und wenn nicht alles dies, so doch zumindest tödliche Epidemien wie die Ebola-Krankheit.

Manche denken beim Stichwort Afrika auch nur an die schönen wilden Tiere, an Foto-Safaris auf Elefanten und Löwen, mit Herden von Gazellen und elegant galoppierenden Giraffen in den Nationalparks, ehe man sich in einem Touristen-Resort am Indischen Ozean ein bisschen verwöhnen lässt. Mit der Lebenswirklichkeit von rund einer Milliarde Menschen in Afrika hat alles dies jedoch sehr wenig zu tun.

Lilo Langen mit ihren SchützlingenDas musste auch Lilo Langen, eine Münstereifeler Architektin, lernen, als sie vor ein paar Jahren, bei ihrer zweiten oder dritten Afrikareise, die Nationalparks in Tansania einmal verließ – und die afrikanischen Menschen wirklich kennenlernte, ihren Alltag, ihre tagtäglichen Sorgen, ihre Träume. „Ich begriff, dass zwischen den Erlebnissen in den Nationalparks und dem Leben außerhalb der Parks Welten liegen.“ In der Provinz Arusha, der mehr als 1400 Meter hoch gelegenen Kaffee-Region Tansanias, lernte sie Menschen kennen, „die genauso wie wir versuchen, von Tag zu Tag ihr Leben zu meistern mit allen Freuden und ihren Sorgen, die dazu gehören – nur dass sie es eben viel schwerer haben als wir.“

Malaria

Sie liebte weiterhin die Schönheit des Landes, den Gesang der Menschen, die lachenden Kinder mit der unverhohlenen Neugier in den Augen, aber sie sah jetzt auch die unendliche Armut, den Mangel an sauberem Wasser, das Fehlen von Bildungschancen und von medizinischer Betreuung. Anders und ganz praktisch gesagt: den Mangel an Brunnen, an Schulen, an Krankenstationen. Sie sah Kinder, die an Krankheiten sterben, die in Europa mehr oder weniger ungefährlich sind, etwa an Masern oder Diphterie; sie sterben aber auch an Malaria (60.000 Tote jedes Jahr in Tansania) und an Typhus, auch an AIDS (vier von hundert Menschen in Tansania sind infiziert, vor allem in den großen Städten), wobei viele Mütter schon während der Schwangerschaft die Kinder infizieren. Auch bei AIDS ist die Armut eine der Hauptursachen, zum Beispiel wegen unsauberer Bluttransfusionen mit dem HIVErreger.

Lilo Langen beschloss, ganz konkret etwas zu tun.

Sie sammelte unter ihren Freunden Geld, gründete den Verein „Upendo Tansania e. V.“, kaufte in Kitefu (in Kisuaheli: Maji ya Chai) ein großes Grundstück und entwickelte zusammen mit den Afrikanern vor Ort ein integriertes Konzept zur Entwicklung der Gemeinde. Zuerst wurden ein paar Brunnen gebaut, denn sauberes Trinkwasser für alle ist eine entscheidende Voraussetzung für Gesundheit. Inzwischen geht es aber darum, für die ganze Gegend eine zentrale Gesundheitsstation zu bauen. Damit hätten die rund 4000 Menschen, die hier leben, zum ersten Mal qualifizierte ärztliche Betreuung in erreichbarer Nähe.

Denn „Upendo“, so erklärt Lilo Langen, bedeutet auf Kisuaheli Liebe, auch Nächstenliebe.

Concert for Africa

Diese Geschichte und diese Liebe bilden den Hintergrund für ein „Concert for Africa“, das am Freitag, 17. Oktober, um 20 Uhr in der Heinz-Gerlach-Halle in Bad Münstereifel über die Bühne geht. Denn als Hannes Schöner und Jens Streifling, die seit einiger Zeit das erfolgreiche Duo „Schöner&Streifling“ bilden (wenn man sie auch vor allem als „Höhner“-Musiker kennt), von dieser privaten Entwicklungshilfe hörten, waren sie sofort entschlossen, das Upendo-Projekt zu unterstützen. Auf ihre ganz eigene Art, das heißt mit ihrer großartigen Musik.

„Es ist ein tolles Gefühl, auf die Bühne zu gehen, um damit ein paar tausend Menschen in Tansania ein besseres Leben zu ermöglichen“, sagt Hannes Schöner begeistert. Und da sie beide, Schöner und Streifling, in der deutschen Musikszene ungewöhnlich gut bekannt und vernetzt sind, ist es ihnen leichtgefallen, viele andere hochkarätige Musiker für diesen Abend zu gewinnen: Schöner&Streifling and friends.

Diese Freunde sind Peter und Stephan Brings von den „Brings“, der bekannte Jazz-Trompeter Hans-Peter Salentin, der Drummer Wolf Simon, der Pianist und Keyboarder Gero Körner, der Gitarrist Hermann Heuser, Bastian und Flo von der Kölner Gruppe „Kasalla“, außerdem jede Menge kölsche Kinder, „Wilmas Pänz“, und einige andere Musiker. Ein ungewöhnliches und äußerst lohnenswertes Konzert also, selbst wenn es nicht um den guten Zweck ginge, um den es tatsächlich geht.

Krankenstation

Schöner & Streiling hoffen wie die „Upendo“-Gründerin Lilo Langen, mit dem Geld aus der Veranstaltung in „ihrem“ Dorf Maji ya Chai, etwas südwestlich unter dem schneebedeckten Gipfel des Kilimandscharo gelegen, mit dem geplanten Krankenhaus einen großen Schritt weiterzukommen. Zuerst soll eine stationäre Ambulanz entstehen, mit Labor und Apotheke, von Sonnenkollektoren und Windkraft mit der nötigen Energie versorgt, die es sonst in der Gegend nicht ausreichend gibt.

In einem zweiten Schritt sollen die diagnostischen Mittel ausgebaut werden, vor allem die Geräte für Radiologie, Röntgen und Computertomographie. Wenn sich im Laufe der Zeit die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen im Dorf (60 Jahre) etwas erhöhen und die Kindersterblichkeit etwas senken lassen könnte, wäre Lilo Langen glücklich. Im Moment sterben in Tansania 70 von tausend neugeborenen Kindern (wie in Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts). Mögen sich also viele Menschen von diesem Afrika-Konzert angesprochen fühlen, Hannes Schöner und Jens Streifling sagen ihnen jetzt schon ein „Karibu sana“, ein herzliches Willkommen.

Tickets gibt es bei www.ticket-regional.de , www.tvtickets.de  bei allen „Wochenspiegel“- Geschäftsstellen und den bekannten Vorverkaufsstellen in Bad Münstereifel und bei SVE in Euskirchen.

Quelle: >> Wochenspiegel Euskirchen